Nach Abschluss des im Arbeitsgesetzbuch vorgesehenen Informations- und Konsultationsverfahrens gab der Verwaltungsrat der Indorama Ventures-Gruppe am 30. Juni 2026 bekannt, dass er ein Massenentlassungsverfahren in Luxemburg einleiten werde, und bestätigte zudem seine Absicht, die Aktivitäten am Standort Steinfort endgültig einzustellen. Indorama Ventures ist ein multinationaler Konzern mit einem Jahresumsatz von fast 12 Milliarden Euro und Produktionsstätten in mehr als 30 Ländern weltweit.
Diese brutale Entscheidung, die den Standort Steinfort trifft, bedroht unmittelbar fast hundert Industriearbeitsplätze und stürzt ebenso viele Familien in tiefe Sorge um ihre Zukunft.
Für den OGBL und den LCGB ist diese Entscheidung völlig inakzeptabel.
Abgesehen von der menschlichen Tragödie für die betroffenen Beschäftigten und ihre Angehörigen stellt die von der Indorama-Gruppe bekundete Absicht, den Standort Steinfort zu schließen, ein außergewöhnliches und äußerst besorgniserregendes Ereignis für den gesamten luxemburgischen Industriesektor dar. Seit der Schließung des TDK-Standorts im Jahr 2007 hat es in Luxemburg keine Schließung eines Industriestandorts dieser Größenordnung mehr gegeben.
Die Beschäftigten von Indorama haben stets vorbildliches Engagement, Kompetenz und Flexibilität bewiesen. Sie haben die vom Unternehmen geforderten Veränderungen mitgetragen und ihre Verpflichtungen stets erfüllt.
Heute werden sie zu Opfern strategischer Entscheidungen, die auf der Ebene eines multinationalen Konzerns getroffen werden, sowie einer Logik des globalisierten Kapitalismus, die finanzielle Erwägungen auf Kosten der Frauen und Männer in den Vordergrund stellt, die jahrelang zur Entwicklung des Unternehmens beigetragen haben.
OGBL und LCGB weisen zudem darauf hin, dass der Standort Steinfort stark von einem einzigen Kunden abhängig war, auf den ein überwiegender Teil des Produktionsvolumens entfiel. Die Schließung des Standorts Longlaville, der die für die luxemburgische Produktion notwendigen Zwischenprodukte lieferte, hat die Zukunft des Standorts Steinfort unmittelbar gefährdet.
Vor diesem Hintergrund stellen die Gewerkschaften zu Recht die Frage, welche Maßnahmen in den letzten Jahren ergriffen wurden, um die Aktivitäten zu diversifizieren, neue Märkte zu erschließen, neue Zertifizierungen zu erhalten und die Abhängigkeit von einem einzigen Kunden zu verringern.
Für den OGBL und den LCGB ist es nicht hinnehmbar, dass eine Schließung als unvermeidlich dargestellt wird, ohne dass alle industriellen Alternativen zur Erhaltung der Geschäftstätigkeit und der Arbeitsplätze ernsthaft geprüft wurden.
Das luxemburgische Sozialmodell basiert auf dem Sozialdialog, der Suche nach Lösungen und der Sicherung von Arbeitsplätzen in der Industrie. Es ist nicht hinnehmbar, dass eine Entscheidung mit derart schwerwiegenden Folgen einfach verkündet wird, ohne dass zuvor gemeinsam mit allen betroffenen Akteuren ernsthaft über die industrielle Zukunft des Standorts nachgedacht wurde.
OGBL und LCGB werden für jeden Arbeitsplatz sowie für die Zukunft und die Sicherheit jedes Arbeitnehmers und seiner Familie kämpfen.
Die beiden Gewerkschaften haben bereits um ein dringendes Gespräch mit Wirtschaftsminister Lex Delles sowie mit Arbeitsminister Marc Spautz gebeten, um alle Möglichkeiten zu prüfen, wie die industrielle Tätigkeit am Standort aufrechterhalten und die Arbeitsplätze gesichert werden können. Die Gewerkschaften fordern zudem gegebenenfalls die Einrichtung einer Stelle für Umschulung und berufliche Neuorientierung, wie sie in der dreiseitigen Vereinbarung vom 8. Juni 2026 vorgesehen ist.
Der OGBL und der LCGB werden alle ihnen zur Verfügung stehenden gewerkschaftlichen Mittel einsetzen, um die Interessen der Beschäftigten zu verteidigen. In den kommenden Tagen werden Betriebsversammlungen sowie verschiedene gewerkschaftliche Aktionen organisiert.
Pressemitteilung des OGBL und des LCGB, am 1. Juli 2026
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