Leitartikel: Politisch korrekt?!

Diverses - 09.07.10
Am vergangenen 14. Juni hatte die Mobbing ASBL in Zusammenarbeit mit den LCGB-Lokalsektionen aus Düdelingen und Bettemburg zu einem Informationsabend über auf Mobbing auf dem Arbeitsplatz eingeladen. Dieser Abend war ein voller Erfolg. Ein bis auf den letzten Platz gefüllter Saal legte ein beeindruckendes Zeugnis der Arbeit und des Einsatzes der Mobbing ASBL ab. Der Mobbing ASBL, dem Team um Monique Breisch und Dr. Carlo Steffes, ist der LCGB zu Dank verpflichtet.

Eine sicherlich nicht sehr „reizvolle" Thematik hat sich in den letzten Jahren zu einer wichtigen Dienstleistung der Gewerkschaft entwickelt, welche wir heute nicht mehr missen wollen und können. Wollen - weil es zur Pflicht einer Gewerkschaft gehört, die den Menschen in den Mittelpunkt ihres Schaffens stellt, sich auch schwieriger Themen anzunehmen; Können - da der Zulauf, bzw. die Inanspruchnahme der Mobbing ASBL in den letzten Jahren bedenklich zugenommen hat.
Unsere Mobbing ASBL funktioniert vorbildlich und versucht zu helfen, wo sie nur kann. Allerdings hat das Ganze einen faden Beigeschmack! Weshalb brauchen wir solche Initiativen, wo sind unsere Gesellschaft und unsere Arbeitswelt angekommen, wie werden sie sich weiterentwickeln?

Es gehört heute zum politisch korrekten Ton, dass man Kritik vermeidet und wenn möglich nur noch verklausuliert anbringt. Dabei hat es den Anschein, als ob wir keine Streitkultur mehr haben, auch nicht in den Betrieben. Ganz oft wird aus verständlichen Gründen nicht mehr gewagt, sich auf eine menschlisch akzeptable Art und Weise die Meinung zu sagen.
Streit und Streitgespräche werden zudem sehr oft von den Vorgesetzten nicht gerne gesehen. Es könnte ja sein, dass die eigene Meinung in Frage gestellt wird und man zugeben müsste, dass jeder ein „bisschen Recht" hat. Abgesehen davon, dass einmal getroffene Entscheidungen ebenfalls in Abrede gestellt werden könnten.

In einer Gesellschaft, die keine Schwächen und keine Schwachen akzeptiert, wird all dies zu einem unüberwindlichen Hindernis. Dies gilt ganz besonders für die Arbeitswelt.

Wobei „schwach" erst einmal definiert werden muss. Wo ist die Norm und wer definiert sie? Leider stellen wir heute fest, dass wir in einer Arbeitswelt leben, die sich selbst nach ganz arbiträren Spielregeln, bzw. Nutzeffekten definiert und mit denjenigen, die durch dieses „Sieb" fallen, wird nicht gerade zimperlich umgesprungen.

Diese Unmenschlichkeit von oben herab färbt auch auf unseren Umgang miteinander ab. Es ist politisch unkorrekt geworden, dem Arbeitskollegen klar und deutlich seine Meinung zu sagen. Es wird jedoch stillschweigend geduldet, wenn der gleiche Kollege hinter seinem Rücken kritisiert und demontiert wird.

Mobbing ist also in vielen Fällen ein Abfallprodukt dessen, was anfällt, wenn unsere Gesellschaft und Arbeitswelt auf ein solche Art und Weise dysfunktionieren und die falschen Prioritäten gesetzt werden.

Was tun? Resignieren und schlussendlich akzeptieren? Unsere Antwort ist klar und deutlich. Wir müssen uns gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr setzen, uns also gegen Mobbing engagieren. Deshalb gibt es den LCGB, der sich heute wie vor 89 Jahren dafür einsetzt, dass der Mensch sowie dessen seine Belange, Bedürfnisse und Arbeitsbedingungen in den Mittelpunkt gesetzt werden.
Wir können nicht jede Ungerechtigkeit aus der Welt schaffen, aber wir können handeln, damit es den Menschen besser geht, damit diese Welt ein Stück gerechter wird: Durch Information und Unterstützung der Opfer, durch Tagungen wie am 14. Juni und schlussendlich durch eine klare Gesetzgebung, wie sie die Mobbing ASBL fordert und wie sie auch vom LCGB in seinem Aktionsprogramm mit übernommen wurde.

Der Mensch im Mittelpunkt ist kein Schlagwort, keine leere Hülse sondern ein klares Bekenntnis für ein gewerkschaftliches Engagement, das über die Arbeitswelt und die reine Interessensvertretung herausgeht.

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